Am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften ist im Zeitraum vom 01.10.2026 bis 31.03.2027 für zunächst sechs Monate die fachbereichsübergreifende
Gastprofessur für Antisemitismusforschung
im Umfang von 100% zu besetzen.
Aufgaben:
Die interdisziplinäre Gastprofessur ist dem Selbstverständnis der älteren Kritischen Theorie verpflichtet, ihrer Ideologie- und Gesellschaftskritik. Dieses Selbstverständnis soll für die kritische Reflexion zeitgenössischer Fragen und Probleme der Antisemitismusforschung genutzt werden. In diesem Kontext wird dem Streit um die Rolle von Antisemitismus im Kontext des Nahostkonflikts besonderer Raum eingeräumt. Gerade unter Studierenden wird dieser kontrovers diskutiert und Ziel der Gastprofessur ist, diesen Austausch zu versachlichen und in einem akademischen Kontext zu ermöglichen.
Mögliche Themenfelder sind:
• Antisemitismusdefinitionen und -theorien
• Die historische Entwicklung der Judenfeindschaft vom christlichen Antijudaismus zum heutigen Antisemitismus
• Sozialpsychologische Hintergründe des Antisemitismus
• Sozialphilosophie des Antisemitismus (insbesondere der Kritischen Theorie)
• Die Vorurteilsforschung des Instituts für Sozialforschung und seine empirischen Folgeprojekte
• Antisemitismuskritik und Kritik der politischen Ökonomie
• Geschichte des israelisch-arabischen Konflikts von 1948 bis heute
• Die Rolle des Vernichtungsantisemitismus im Nationalsozialismus
• Erinnerungskultur/-politik, Schuldabwehr und sekundärer Antisemitismus
• Der zweite Historikerstreit
• Zionismus, Antizionismus und (israelbezogener) Antisemitismus
• Unterschiede von Antisemitismus- und Rassismustheorien; Antiziganismus-Theorien
• Intersektion von Antisemitismus, Antifeminismus und Transfeindlichkeit
• Antisemitismuskritische Bildungsarbeit und Perspektiven für den pädagogischen Umgang mit Antisemitismus im Schulalltag
• Bildsprache von Antisemitismus und Rassismus sowie Antisemitismus in der Kunst
• Medien- und Kommunikationswissenschaftliche Perspektiven auf Deutungsstreite im Kontext des Nahostkonflikts
Der Umfang der Lehrverpflichtung beträgt 8 Semesterwochenstunden (4 Lehrveranstaltungen). Die Konzeption und Durchführung der Lehrveranstaltungen findet in Rücksprache und Zusammenarbeit mit dem die Gastprofessur verantwortenden studentischen Arbeitskreis statt. Erwartet wird ein Lehrengagement, welches für ein Gros der Studierendenschaft der JLU zugänglich ist und verschiedene Niveaus anspricht. Angesiedelt werden sollten die Veranstaltungen in den sozialwissenschaftlichen Studiengängen, der Geschichtswissenschaft oder angrenzenden Disziplinen. Auch die Möglichkeit einer inhaltlichen Ansiedlung in den Kunststudiengängen und dem Lehramt wären möglich. Besonders freuen wir uns über originelle Seminarkonzepte, die auf den studentisch konzipierten Charakter der Gastprofessur eingehen.
Voraussetzungen:
Bewerberinnen und Bewerber (m/w/d) für die studentisch organisierte Gastprofessur für interdisziplinäre Antisemitismusforschung besitzen ein einschlägiges Profil in Forschung und Lehre in den Sozialwissenschaften, den Kultur- und Geschichtswissenschaften oder einer Nachbardisziplin. Die Promotion wird vorausgesetzt, die Promotionsurkunde ist für die Beauftragung erforderlich. Bewerbungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern (m/w/d) sind ausdrücklich erwünscht. Wiederholte Bewerbungen sind möglich.
Die JLU begrüßt qualifizierte Bewerbungen unabhängig von biologischem und sozialem Geschlecht (m/w/d), Behinderung, Nationalität, ethnischer und sozialer Herkunft, Religion, Weltanschauung, Alter sowie sexueller Orientierung und Identität.